Erst messen, dann radikal werden
Bevor Sie radikale Maßnahmen ergreifen, sollten Sie wissen, wo Ihr Strom tatsächlich bleibt. Die Antwort ist oft überraschend: Wenige Geräte machen den Großteil des Verbrauchs aus. Messen Sie deshalb zuerst mit einem Strommessgerät, wie in So sparen Sie Strom mit einem Strommessgerät beschrieben. Erst danach lohnt es sich zu entscheiden, wo der Verzicht wirklich etwas bringt.
Konsequentes Gerätemanagement
Statt einzelne Standby-Geräte zu optimieren, trennen Sie ganze Gerätegruppen komplett vom Netz, wenn sie nicht aktiv genutzt werden - über zentrale, schaltbare Steckdosenleisten für Unterhaltungselektronik, Küchengeräte oder das Homeoffice-Setup. Eine WLAN-Steckdose mit Zeitplan übernimmt das Abschalten automatisch, etwa nachts oder wenn niemand zu Hause ist.
Konsequenter Verzicht auf Zweitgeräte
Ein zweiter Kühlschrank im Keller, ein ungenutzter alter Fernseher im Gästezimmer oder mehrere gleichzeitig laufende Router - solche Zweitgeräte summieren sich oft unbemerkt zu einem erheblichen Dauerverbrauch. Ein älterer Zweitkühlschrank, der rund um die Uhr läuft, kann je nach Alter mehrere hundert Kilowattstunden im Jahr verbrauchen. Messen Sie ihn eine Woche lang und entscheiden Sie dann, ob er sich noch lohnt.
Kühlen richtig einstellen
Kühlgeräte laufen ohne Pause und fallen deshalb stark ins Gewicht. Als Richtwerte gelten etwa 7 °C im Kühlschrank und −18 °C im Gefrierschrank. Jedes Grad kälter erhöht den Verbrauch nach gängigen Angaben um rund sechs Prozent. Auch Abtauen, saubere Dichtungen und genügend Abstand zur Wand halten den Verbrauch niedrig. Stellen Sie das Gerät nicht neben Herd oder Heizung.
Heizen mit Strom meiden
Der größte Stromfresser im Haushalt ist oft ein elektrisches Heizgerät. Ein Heizlüfter mit 2.000 Watt, der täglich drei Stunden läuft, verbraucht im Jahr rund 2.190 Kilowattstunden, wenn er jeden Tag eingesetzt wird. Bei 35 Cent je kWh sind das über 750 Euro. In der Realität läuft er nur an einigen Tagen, trotzdem summiert sich das schnell. Wo es möglich ist, sollten Sie die vorhandene Heizung nutzen oder die Räume besser dämmen. Der Verbrauch eines Heizlüfters lässt sich mit dem Stromkosten-Rechner durchspielen.
Kochen und Warmwasser
- Wasser für Tee und Nudeln im Wasserkocher erhitzen statt auf dem Herd
- Beim Kochen Deckel verwenden und die Restwärme der Herdplatte nutzen
- Die Warmwassertemperatur nicht höher einstellen als nötig, bei Boilern etwa 60 °C zum Schutz vor Keimen
- Duschen statt baden. Ein Vollbad braucht deutlich mehr Warmwasser
Gezielte Nutzungsplanung
Wer besonders sparsam sein möchte, bündelt stromintensive Tätigkeiten (Waschen, Backen, Laden von Geräten) gezielt und vermeidet den parallelen Betrieb mehrerer Großverbraucher gleichzeitig - das senkt zwar nicht den Gesamtverbrauch, kann aber bei zeitvariablen Tarifen die Kosten reduzieren. Solche Tarife setzen in der Regel ein Smart Meter voraus, mehr dazu unter Smart-Meter-Pflicht. Mit eigener Solaranlage lohnt es sich, Großverbraucher in die Mittagsstunden zu legen.
Welche Maßnahmen lohnen sich wirklich?
| Maßnahme | Wirkung | Aufwand und Verzicht |
|---|---|---|
| Alten Zweitkühlschrank abschaffen | hoch | gering, wenn das Gerät wenig genutzt wird |
| Elektrische Heizgeräte meiden | hoch | mittel, Wärme wird anders erzeugt |
| Standby-Gruppen per Leiste abschalten | mittel | gering |
| Kühlschrank auf 7 °C stellen | mittel | gering |
| Router nachts abschalten | gering | mittel, WLAN und Telefon nachts nicht erreichbar |
| Kühlschrank ausstecken | — | nicht sinnvoll, Lebensmittelverderb |
Wo die Grenze zwischen sinnvoll und übertrieben liegt
Nicht jede radikale Maßnahme lohnt sich wirtschaftlich - wer etwa den Kühlschrank komplett abschaltet, riskiert Lebensmittelverderb. Sinnvoller ist es, mit einem Strommessgerät gezielt die größten, tatsächlich vermeidbaren Verbraucher zu identifizieren, statt pauschal auf Komfort zu verzichten. Sparen Sie nie bei Sicherheit: Rauchmelder, Fehlerstrom-Schutzschalter und Heizungsumwälzpumpen im Frost bleiben an.
Themenbereich Verbrauch messen: Steckdosen-Messgeräte auswählen, richtig messen und Strom sparen. Oder direkt zum Kaufberater.
Zum ThemenbereichHäufig gestellte Fragen
Lohnt sich extremes Stromsparen finanziell wirklich?
Das hängt vom Ausgangsverbrauch ab - bei bereits effizienten Haushalten sind die zusätzlichen Einsparungen durch radikale Maßnahmen oft gering im Vergleich zum Aufwand.
Gibt es Risiken beim radikalen Stromsparen?
Ja, etwa bei der Kühlkette von Lebensmitteln oder bei sicherheitsrelevanten Geräten (z. B. Rauchmeldern) sollte nicht am Strom gespart werden.
Was bringt es, den Router nachts abzuschalten?
Ein Router verbraucht meist rund 10 Watt. Eine Abschaltung von 8 Stunden spart etwa 29 Kilowattstunden im Jahr, bei 35 Cent je kWh also rund 10 Euro. Der Effekt ist klein. Viele Router haben eine Zeitschaltung für das WLAN, die zusätzlich Strom spart.
Womit fange ich am besten an?
Mit einer Messung: Prüfen Sie Kühlgeräte, Zweitgeräte und Standby-Gruppen. Das sind die Verbraucher, bei denen sich der Aufwand am häufigsten lohnt.